Aktuelles aus der pro mente Forschung

"AMS muss Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf angemessen fördern

pro mente kärnten GmbH

"Jeder Mensch hat den Wunsch nach einem gelingenden Leben"

Eva Leutner bei der Pressekonferenz in Wien
Fotograf: Harald Lachner

Im Rahmen einer Pressekonferenz von Sozialunternehmen und Behindertenvertretungen am 5.6. 2018 in Wien erklärte pro mente kärnten GmbH-Geschäftsführerin Eva Leutner in ihrer Funktion als Vizepräsidentin des Österreichischen Behindertenrates:

Jeder Mensch hat den Wunsch nach einem gelingenden Leben.
Ich darf als Vertreterin des Österreichischen Behindertenrates Ihre Aufmerksamkeit auf die Situation von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt lenken, insbesondere auf Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Trotz Zeiten der Hochkonjunktur sind Menschen mit Behinderungen bzw. auch Menschen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen deutlich häufiger und länger von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen ohne diese Handicaps.

(Aktuelle Zahl: März 2018 Rückgang der Arbeitslosigkeit bei Personen ohne gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen um 11,1% , bei jenen mit den genannten Einschränkungen um nur 2 %).

Und trotz dieser Tatsachen erreichen uns Überlegungen, dass künftig arbeitslose Menschen aufgrund ihrer Vermittlungswahrscheinlichkeit vom AMS unterteilt und unterschiedlich behandelt werden sollen. Was immer aus diesen Überlegungen wird und wie immer sie auch konkretisiert werden: Aus unserer Sicht darf das keinesfalls dazu führen, dass Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf keine angemessenen Leistungen mehr durch das AMS erhalten. So eine Vorgangsweise würde eindeutig auf Kosten von Menschen mit Behinderungen gehen. Insbesondere Menschen mit psychischen Problemen können nur dann in der Arbeitswelt wieder Fuß fassen, wenn sie durch geeignete Trainingsangebote in einer wertschätzenden Atmosphäre und mit dem unendlich wertvollen Faktor Zeit Stabilität und Selbstsicherheit wiedererlangen. Niemand darf beim Zugang zum Arbeitsmarkt auf der Strecke bleiben, dafür ist Arbeit ein zu wichtiger Faktor im Leben jedes einzelnen – Arbeit bedeutet Sinnstiftung, gesellschaftliche Teilhabe und die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch eigene Anstrengungen zu bestreiten.


Österreich hat die UN-Behindertenrechtskonvention im Jahre 2008 ratifiziert. Diese Behindertenrechtskonvention legt unter anderem auch umfassende Rechte und Pflichten in Bezug auf Arbeit und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung fest. Im Paragraph 27 steht geschrieben, dass es eine staatliche Pflicht gibt, durch geeignete Schritte das Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderung zu sichern und zu fördern. Diese Festlegungen umfassen auch die Pflicht, Menschen zu fördern, die diese Beeinträchtigung während einer Beschäftigung erworben haben.
Inklusion, das Recht auf Teilhabe, ist der zentrale Terminus in dieser Konvention. Die Möglichkeit zu verbauen, dass Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben führen können, wäre aus meiner Sicht ein Skandal und eines Sozialstaates nicht würdig.

Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen wissen wir: psychische Erkrankungen sind noch immer ein großes Tabuthema und mit Stigmatisierungen verbunden, die zusätzliches großes Leid verursachen. Und das, obwohl jeder 3. Mensch es einmal im Leben mit groben psychischen Turbulenzen zu tun bekommt. Manche Mitmenschen wirft eine psychische Erkrankung so aus der Bahn, dass sie sehr lange brauchen, um wieder die Spur zu finden. Dieses „Spur finden“ geht meist nur mit professioneller Unterstützung. Und diese Unterstützung wiederum gibt es nur dann, wenn dafür auch der Wille der relevanten EntscheidungsträgerInnen vorhanden ist und die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Und damit komme ich am Schluss zu einer erfreulichen Nachricht:
Nach jahrelangen Bemühungen ist es nun gelungen, Menschen mit Behinderung als „besondere Zielgruppe“ beim Arbeitsmarktservice zu definieren. Um diese durchaus dienliche Entwicklung mit Leben zu erfüllen, müssen nun entsprechende Budgetmittel zweckgebunden bereitgestellt werden. Damit wären wir auf dem richtigen Weg, die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen um dem Wunsch nach einem gelingenden Leben ein Stück näher zu kommen.

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